top of page

Wann hilft Lerncoaching, wann Lerntherapie?

  • Feb 20, 2025
  • 3 min read

Updated: Jul 15


„Mein Kind braucht einfach etwas Unterstützung beim Lernen.“


Diesen Satz höre ich oft. Und manchmal stimmt er auch – es gibt Situationen, in denen ein Lerncoach oder Nachhilfe genau das Richtige sind: Eine Lernstrategie fehlt, der Stoff muss aufgearbeitet werden, eine Prüfung steht bevor. Dann braucht es jemanden, der konkret beim Lernen unterstützt, und das ist gut so.


Doch manchmal merke ich schon bei den ersten Gesprächen, dass das eigentliche Thema gar nicht der Schulstoff ist. Denn Lernen findet nicht losgelöst vom Menschen statt. Wer immer wieder Misserfolge erlebt, Angst vor Fehlern entwickelt oder das Gefühl hat, nie gut genug zu sein, lernt unter ganz anderen Voraussetzungen als jemand, der sich sicher und kompetent fühlt. Gefühle, Erfahrungen und das eigene Selbstbild begleiten jeden Lernprozess, ob wir das wollen oder nicht. Genau hier setzt Lerntherapie an.


Das Lernproblem ist oft nur der Anfang


Kinder und Jugendliche kommen mit ganz unterschiedlichen Anliegen zu mir: Druck und Stress, Konzentrationsprobleme, Prüfungsangst, fehlende Motivation oder Schwierigkeiten beim Lesen oder Rechnen. Diese Themen nehme ich ernst. Gleichzeitig frage ich mich immer auch, was dahintersteckt. Warum fällt das Lernen gerade schwer? Wie erlebt das Kind Herausforderungen? Was passiert, wenn etwas nicht auf Anhieb gelingt? Welche Erfahrungen prägen den Blick auf das eigene Lernen?


So rückt nicht das Symptom in den Mittelpunkt, sondern der Mensch, der damit lebt.

Ein Beispiel aus der Praxis: Eine Mutter kommt mit ihrem Kind zu mir, weil die Hausaufgaben täglich stundenlang dauern. Im gemeinsamen Arbeiten wird schnell deutlich, dass hinter dem Lernproblem etwas ganz anderes steckt. Das Kind erlebt die Hausaufgaben als die einzige Zeit, in der es die ungeteilte Aufmerksamkeit eines Elternteils bekommt. Das Lernen ist hier nicht die Ursache des Problems, sondern der Ausdruck eines Bedürfnisses – und genau das macht am Ende den Unterschied, ob eine Massnahme wirklich hilft oder nur an der Oberfläche bleibt.


Der Unterschied zwischen Lerncoaching und Lerntherapie


Ich vergleiche es gerne mit einem Haus, in dem ein Feuer ausgebrochen ist. Ein Lerncoach hilft dabei, das Feuer zu löschen: für eine Prüfung lernen, Stoff aufholen, Fächer erarbeiten. Das ist wichtig und oft genau das, was in diesem Moment gebraucht wird.


Eine Lerntherapeutin löscht das Feuer ebenfalls. Doch danach endet die Begleitung nicht. Gemeinsam schauen wir, weshalb das Feuer überhaupt entstehen konnte. Wir räumen auf, stärken das Fundament, schaffen Platz für Neues und gestalten Bedingungen, unter denen Entwicklung wieder möglich wird. Denn mein Ziel ist nicht nur, dass das aktuelle Problem verschwindet, sondern dass Kinder und Jugendliche langfristig gestärkt aus dieser Erfahrung hervorgehen.


Lernen ist immer auch emotional


Lernen ist weit mehr als das Einüben von Techniken. Ein Kind, das Angst vor Fehlern hat, ständig unter Druck steht oder sich selbst längst für „schlecht in Mathe" hält, braucht oft mehr als eine neue Rechenstrategie. Es braucht Selbstvertrauen, das Gefühl von Selbstwirksamkeit, positive Erfahrungen und Verständnis dafür, wie es ihm mit dem Lernen wirklich geht.


Deshalb arbeite ich nicht nur an Lernmethoden. Ich begleite Kinder und Jugendliche dabei, wieder Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten zu entwickeln, mit Druck und Stress zurechtzukommen, mit Rückschlägen umzugehen und neue, positive Lernerfahrungen zu machen. Denn nachhaltiges Lernen entsteht dort, wo sich ein Mensch sicher fühlt – und nirgends sonst.


Jeder Weg sieht anders aus


Es gibt keine Methode, die für alle passt. Manchmal arbeiten wir an einer passenden Lernstrategie, manchmal beschäftigen wir uns mit Prüfungsangst oder Konzentration, und manchmal zeigt sich erst im Gespräch, dass ganz andere Themen im Vordergrund stehen. Das Ziel bleibt dabei immer dasselbe: Kinder und Jugendliche so zu begleiten, dass sie ihren eigenen Weg finden, im Lernen und darüber hinaus.


Denn gute Lerntherapie verändert nicht nur das Lernen. Sie stärkt den Menschen, der lernt.



 
 
 

Comments


Commenting on this post isn't available anymore. Contact the site owner for more info.
bottom of page