Wie läuft eine Lerntherapiestunde ab?
- Feb 20, 2025
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Updated: Jul 16
"Was passiert eigentlich in einer Lerntherapie?" Diese Frage höre ich immer wieder von Eltern und auch von Jugendlichen, bevor sie das erste Mal zu mir kommen. Manche stellen sich Nachhilfe vor, andere denken an eine psychotherapeutische Sitzung. Beides trifft es nicht ganz.
Lerntherapie verbindet verschiedene Bereiche miteinander: Psychologie, therapeutische Beratung, Pädagogik und konkrete Lernstrategien. Das Ziel ist nicht nur, schulische Schwierigkeiten anzugehen, sondern Kinder und Jugendliche auch dabei zu unterstützen, wieder Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten, Selbstwirksamkeit und Selbstvertrauen zu entwickeln.
Da jede Person andere Voraussetzungen, Stärken und Herausforderungen mitbringt, gleicht keine Stunde der anderen. Trotzdem gibt es einen Rahmen, der Orientierung gibt.
Ankommen
Jede Stunde beginnt mit dem Ankommen. Kinder und Jugendliche kommen oft direkt aus der Schule oder einem langen Tag. Bevor wir gemeinsam arbeiten, nehmen wir uns deshalb Zeit, darüber zu sprechen, wie es ihnen geht und was seit der letzten Stunde passiert ist.
Bei jüngeren Kindern gehören kleine Rituale dazu, die Sicherheit geben. Jugendliche erzählen häufig von ihrem Alltag, einem Erfolg oder einer schwierigen Situation in der Schule. Diese ersten Minuten helfen dabei anzukommen und sind wichtig für eine gute, vertraute Beziehung (in der Fachsprache auch Rapport genannt).
Ein Plan, mit Raum für das, was gerade wichtig ist
Jede Stunde wird von mir vorbereitet und verfolgt ein bestimmtes Ziel. Gleichzeitig ist Lerntherapie kein festes Programm, das unabhängig von der aktuellen Situation abgearbeitet wird. Manchmal zeigt sich schon in den ersten Minuten, dass heute etwas anderes im Vordergrund steht und dies wird dann in den Mittelpunkt gerückt.
So war beispielsweise einmal für den Einstieg eine Stärkenhand geplant, eine kleine Übung, bei der für jeden Finger eine persönliche Stärke aufgeschrieben wird. Im Gespräch dazu wurde schnell deutlich, wie kritisch die junge Frau, mit der ich arbeitete, über sich selbst dachte und wie schwer es ihr fiel, überhaupt etwas Positives an sich zu erkennen. Aus der geplanten Einführungsübung wurde daraufhin die Basis für die gesamte Stunde.
In einer anderen Stunde wollte ich mit einem 16-Jährigen daran arbeiten, wie er seine zuvor erarbeiteten Stärken im Unterricht besser nutzen kann. Stattdessen erzählte er gleich zu Beginn, wie belastend die Suche nach einer Lehrstelle für ihn gerade war. Es wäre wenig hilfreich gewesen, an der ursprünglichen Planung festzuhalten. Zuerst brauchte es Raum für das, was ihn in diesem Moment wirklich beschäftigte.
Diese Flexibilität gehört für mich zur Lerntherapie dazu, denn erfolgreiches Lernen findet nicht losgelöst vom Alltag statt.
In solchen Momenten ist es genauso wichtig, die eigenen Grenzen zu kennen. Ich bin Lerntherapeutin, keine Traumaexpertin oder Psychotherapeutin. Wenn ich in einer Situation konkret helfen kann und das Thema innerhalb meines Kompetenzbereichs liegt, helfe ich direkt. Merke ich aber, dass ein Thema meine Kompetenzen übersteigt, verweise ich weiter und informiere auch die Eltern, immer in Absprache mit dem Kind oder Jugendlichen selbst. Das klingt dann zum Beispiel so: „Ich finde es wichtig, dass wir mit deinen Eltern darüber sprechen. Was hältst du davon?" Gemeinsam schauen wir, ob wir das zu dritt/viert besprechen oder ich zuerst allein mit den Eltern rede. Bei ernsteren Themen wie einer Depression verweise ich an eine Fachperson, kann aber weiterhin niederschwellig mit dem Kind oder Jugendlichen in der Lerntherapie arbeiten, da man oft erst auf eine Warteliste kommt.
Verstehen schafft Entlastung
Ein wichtiger Teil meiner Arbeit besteht darin, Kindern und Jugendlichen verständlich zu erklären, was beim Lernen eigentlich passiert. In der Psychologie spricht man dabei von Psychoedukation, Wissen so zu vermitteln, dass Zusammenhänge verständlich werden. Warum fällt das Lesen so schwer? Warum bin ich gestresst? Warum werde ich gemobbt? Wie kann ich mich wehren? Weshalb bleibt ein Rechenweg einfach nicht im Kopf? Warum blockiert das Gehirn plötzlich in einer Prüfung, obwohl der Stoff eigentlich gelernt wurde?
Wenn Kinder verstehen, dass hinter ihren Schwierigkeiten nachvollziehbare Prozesse stehen und nicht mangelnde Intelligenz oder Faulheit, erleben viele das als grosse Erleichterung. Dieses Verständnis bildet oft die Grundlage dafür, neue Strategien auszuprobieren.
Wie ich konkret arbeiten
Je nach Anliegen kommen ganz unterschiedliche Methoden aus Psychologie, therapeutischer Beratung und Pädagogik zum Einsatz. Das können Übungen aus der Lerntherapie bei Legasthenie oder Dyskalkulie sein, Übungen, die das Selbstvertrauen stärken oder Strategien für das Lernen und die Organisation des Schulalltags sein. Manchmal entwickeln wir gemeinsam neues Verständnis für Situationen, manchmal arbeiten wir an Konzentration oder Prüfungsangst, manchmal geht es darum, hinderliche Gedanken zu erkennen und hilfreiche Alternativen zu finden.
Wenn Übungen zwischen den Sitzungen sinnvoll sind, etwa bei einem gezielten Dyskalkulie- oder Legasthenietraining, werden diese mit den Eltern besprochen. Sie sollen den Alltag unterstützen und nicht zusätzlichen Druck erzeugen. Bei anderen Themen arbeite ich lieber mit Affirmationskarten oder ähnliches, die sich Kinder und Jugendliche abfotografieren und mitnehmen können, ganz ohne klassische Hausaufgabe.
Die Rolle der Eltern
Die eigentliche Lerntherapie findet ohne die Eltern statt. So entsteht ein geschützter Raum, in dem Kinder und Jugendliche offen erzählen, Fragen stellen und auch Unsicherheiten ansprechen können.
Gleichzeitig sind die Eltern wichtige Partner im gesamten Prozess. Je nach Alter des Kindes und Anliegen nehmen die Eltern bei Erstgesprächen teil und es finden regelmässige Rückmeldungen (sogenannte Standortgespräche) statt. Gemeinsam besprechen wir Fortschritte, Herausforderungen und überlegen, wie das Gelernte auch im Alltag unterstützt werden kann.
Ein bewusster Abschluss
Jede Stunde endet mit einem kurzen Rückblick. Was nehmen wir heute mit? Was war hilfreich? Woran möchten wir bis zum nächsten Termin anknüpfen?
Mir ist wichtig, dass Kinder und Jugendliche die Stunde mit einem guten Gefühl verlassen, unabhängig davon, ob wir an einer Lernstrategie gearbeitet, eine schwierige Situation besprochen oder einen kleinen Erfolg gefeiert haben.
Wann endet die Lerntherapie?
Auch das Ende unserer Zusammenarbeit ist so individuell wie die Kinder und Jugendlichen selbst. Manche Anliegen lassen sich bereits in wenigen Sitzungen klären. Manchmal braucht es nur vier oder fünf Termine, damit ein Kind oder ein Jugendlicher die Möglichkeit hat, die eigene Situation auszusprechen, Gefühle einzuordnen und neue Perspektiven zu entwickeln. Allein dieses Verstehen und die Erfahrung, mit den eigenen Schwierigkeiten nicht allein zu sein, können bereits viel bewirken.
Andere Themen benötigen mehr Zeit. Wenn es beispielsweise darum geht, nach Mobbingerfahrungen wieder Selbstvertrauen aufzubauen, die eigenen Stärken bei ADHS zu erkennen und im Alltag gezielt zu nutzen oder den Umgang mit Legasthenie oder Dyskalkulie nachhaltig zu verbessern, ist eine längerfristige Begleitung oft sinnvoll.
Mir ist wichtig, dass die Lerntherapie genau so lange dauert, wie sie hilfreich ist – nicht länger, aber auch nicht kürzer. Gemeinsam überprüfen wir deshalb regelmässig, ob die vereinbarten Ziele erreicht wurden und welche Unterstützung noch sinnvoll ist.
Die Rahmenbedingungen
Eine Sitzung dauert 45 Minuten und findet aktuell online statt.
Lerntherapie bedeutet für mich weit mehr, als schulische Leistungen zu verbessern. Sie soll Kindern und Jugendlichen helfen, ihre eigenen Stärken wieder wahrzunehmen und mit mehr Sicherheit und Zuversicht ihren Lebensweg zu gehen.
Wenn du wissen möchtest, wie das für dein Kind konkret aussehen könnte, melde dich gerne für ein unverbindliches Erstgespräch.




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